Wie kann ich Wirtschaftsinformatik studieren?

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Es gibt verschiedene Varianten, wie du Wirtschaftsinformatik studieren oder dir wirtschaftsinformatische Inhalte an einer Hochschule aneignen kannst. Zunächst bieten viele Hochschulen ein vollwertiges Bachelor- oder Masterstudium an – beispielsweise kannst du an über 50 Universitäten Wirtschaftsinformatik in Deutschland, Österreich oder Schweiz studieren. Darüber hinaus kannst du dir ausgewählte wirtschaftsinformatische Inhalte auch durch das Studium der Wirtschaftsinformatik als Wahlpflichtfach, Nebenfach oder Studienschwerpunkt bei einem Bachelor- oder Masterstudium der Informatik, Wirtschaftswissenschaften oder Ingenieurwissenschaften aneignen.

Was zeichnet das Studium der Wirtschaftsinformatik aus?

Als anwendungsorientiertes Fach verfügt die Wirtschaftsinformatik über eigene Methoden und Instrumente und greift zusätzlich auf die Disziplinen zurück. Weitere wichtige Hilfsdisziplinen sind Mathematik, Statistik, Soziologie, Psychologie und Recht. Somit werden dir in einem Wirtschaftsinformatikstudium Forschungs- und Lehrinhalte aus den aufgeführten Disziplinen vermittelt. Das Studium soll dir einen Überblick über die Gestaltungsmöglichkeiten mittels Informationstechnologie verschaffen und ein solides Verständnis über mögliche Anwendungsgebiete im Kontext von Unternehmen oder im Alltag vermitteln. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Gestaltung und Entwicklung von Informations- und Anwendungssystemen zur Unterstützung von Abläufen und Aktivitäten innerhalb und zwischen Organisationen. Nachfolgend findest du eine kurze Beschreibung von typischen fachlichen Inhalten, die dich in der jeweiligen Disziplin erwarten.

Wirtschaftsinformatik

In diesem Bereich lernst du wichtige Methoden und Instrumente sowie Faktenwissen der Wirtschaftsinformatik kennen. Dies umfasst z. B. die Modellierung von Abläufen im Unternehmen, um diese mit Informationssystemen zu unterstützen oder vollständig durch Informationssysteme abzubilden. Zudem erhältst du ein umfassendes Verständnis davon, welche Arten von Informations- und Anwendungssystemen zu welchem Zweck im Unternehmen eingesetzt werden können und wie du über deren wirtschaftlichen Einsatz entscheiden kannst. Hier sind insbesondere Enterprise-Resource-Planning Systeme zur Planung und Steuerung wichtiger Ressourcen im Unternehmen, wie bspw. Kapitel, Personal und Material oder Supply-Chain-Management Systeme, zur Abstimmung und Automatisierung von Lieferketten hervorzuheben. Das Management zur Einführung von solchen Systemen und weiteren IT-Projekten steht ebenso auf dem Lehrplan. Darüber hinaus erfährst du auch, was bei der Verwaltung und produktiven Nutzung von Daten berücksichtigt werden muss und wie diese mit Data Mining Verfahren aufbereitet werden können, um diese im Rahmen von Entscheidungsunterstützungs- und Optimierungssystemen zu nutzen. Schließlich lernst du auch, wie man erfolgreiche Geschäftsmodelle für den Electronic Commerce entwickelt und wie in der Fabrik von morgen produziert wird.

Informatikgrundlagen

In dieser Disziplin lernst du Probleme mit Hilfe von Modellen darzustellen und bspw. mit Hilfe von Algorithmen zu lösen. Die Herausforderung bei der Modellierung ist die wesentlichen Aspekte eines Problems zu erkennen und diese in einem Modell übersichtlich und eindeutig zusammen zu fassen. Weiterführend erlernst du grundlegende Programmierkenntnisse und verbreitete Programmiersprachen, wie bspw. Java oder C++. Zusätzlich erlangst du ein Grundverständnis darüber, wie man ein Softwareentwicklungsprojekt angeht und welche Instrumente und Methoden einem dabei helfen, am Ende zu einem erfolgreichen Projektabschluss zu kommen. Darüber hinaus wird dir ein grundlegendes Verständnis zur Verwaltung und Nutzung von großen Datenbeständen mittels Datenbanken vermittelt.

Wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen

Die Betriebswirtschaftslehre umfasst eine Vielzahl an Disziplinen, die dir näher bringen, wie Unternehmen aufgebaut sind und funktionieren. In diesem Zuge wirst du in die Grundlagen von Rechnungswesen, Jahresabschlüssen, Organisation, Besteuerung, Personalwesen, Beschaffung, Produktion, Absatz und Marketing eingeführt. Hierbei lernst du u. a., wie sich in Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen die Geschäftslage von Unternehmen wiederspiegelt. Außerdem wird besprochen, wie die einzelnen Betriebsbereiche in den Leistungserstellungsprozess einwirken - von der Produktion von Gütern und Dienstleistungen bis zu deren Absatz. Grundsätzlich geht es um die Schärfung des Verständnisses, wie optimale Entscheidungen aus Sicht eines Unternehmens getroffen werden.

Die Volkswirtschaftslehre untergliedert sich in Makroökonomie und Mikroökonomie. In der Makroökonomie beschäftigst du dich mit gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen, wie bspw. der Geld- oder Fiskalpolitik eines Landes. In der Mikroökonomie liegt der Fokus auf der Konsumentscheidung von Haushalten, der Produktionsentscheidung und dem Preissetzungsverhalten von Unternehmen sowie der Analyse von Märkten.

Hilfsfächer

Mathematik & Statistik: In diesem Bereich lernst du wichtige methodische Grundlagen, auf welche in den anderen Disziplinen wie Wirtschaftsinformatik und Informatik zur Problemlösung zurückgegriffen wird. In der Mathematik für Wirtschaftsinformatiker werden dir die Grundlagen der Analysis und der linearen Algebra vermittelt. In der Statistik werden in der Regel die Wahrscheinlichkeitsrechnung und die induktive Statistik abgedeckt.

Recht: Hier setzt du dich mit den juristischen Grundlagen des Geschäftsverkehrs auseinander. Du lernst bspw. das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) kennen, das insbesondere die rechtlichen Beziehungen zwischen Privatpersonen regelt und wirst mit dem Handelsgesetzbuch (HGB) vertraut gemacht, das insbesondere für Kaufleute gilt. Unter anderem erfährst du vom Aufbau und der Funktionsweise von Verträgen, die die Grundlage jeglichen wirtschaftlichen Handelns bilden.

Je nach Art des Studiengangs, in dem Wirtschaftsinformatik vermittelt wird, sind die Anteile der drei Fächer Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftswissenschaften und Informatik sowie der Hilfsfächer mit unterschiedlichem Gewicht versehen. Eine Daumenregel, die sich aus den Rahmenempfehlungen für ein Vollstudium Wirtschaftsinformatik ableiten lässt, lautet, dass die drei Fächer sowie die Gruppe der Hilfsfächer (zusammen) jeweils mit ca. 25 % gewichtet werden sollten.